Der Atlantik trennt zwei Sphären

Gut, besser, Amerika. Die USA sind im Frauenfussball sozusagen die Superlative unseres Planeten. Nicht nur auf dem Spielfeld dominieren sie das Weltgeschehen, auch in Bezug auf die Verhältnisse neben dem Platz heben sie sich von jedem anderen Kontinent ab.

Unsere Schweizer Nation ist verhältnismässig gut, andere europäische Länder wie England, Schweden oder Deutschland besser. Und die Vereinigten Staaten sind schlichtweg die Besten. Mit jeweils vier Weltmeistertiteln und Olympiasiegen positionieren sie sich auf Platz 1 der Weltrangliste. Diese Erfolge feiern sie dank der Spielerinnen, aber auch dank der Nachwuchsförderung und den Fans, die dahinter stehen.

Die nicht gestohlene Show

Tatsächlich tragen die USA heute Früchte davon, wofür vor einigen Jahren die Basis gelegt wurde. So profitierte der Frauenfussball bereits von Unterstützung, als die Spielerinnen in Europa noch um Anerkennung kämpften. Der Grund: Fussball ist in Amerika kein männerdominierter Sport. Da sind andere Sportarten wie Baseball oder American Football viel beliebter. Folglich nutzten die Frauen die vorhandenen Strukturen für Fussball, gewannen 1991 den ersten WM-Titel und lösten einen Boom aus.


Und dieser Trend hält bis heute an: 40 Prozent aller Personen, die in Amerika mit einer Lizenz Fussball spielen, sind Frauen. In der Schweiz beträgt dieser Anteil knapp 10 Prozent.

Julia Kressig (gozips.com)

Genauso wie im Profisport gibt es auch im Nachwuchsbereich Differenzen zwischen den beiden Ufern des Atlantiks. Erstens ist der Support im College Soccer viel grösser als in der Schweizer Liga. Beispielhaft erlebte das die 20-jährige Julia Kressig, die in Ohio (USA) bei den Akron Zips spielt. Während ihrer Zeit bei der U-19 FC Zürich Frauen war das Managen von Training, Schule und Regeneration eine Herausforderung für Kressig. Jetzt, bei den Zips, wird ihr bewusst unter die Arme gegriffen, wobei viel Wert auf Gesundheit und Ausbildung gelegt wird. «In Ohio pushen sie dich voll. Wenn du aber in der Schweiz ein Ziel erreichen willst, musst du viel von dir aus machen», meint Kressig.

«Die Männer stehlen halt nicht die Show.»

Julia Kressig über den Frauenfussball in den USA

Begeisterung und Unterstützung

Zum Zweiten geniessen die Athleten auf amerikanischem Boden mehr und bessere Infrastruktur. All dies zusammen resultiert in Fussball auf höherem Level und zieht mehr Publikum an. Zum Vergleich: Zu Kressigs Spielen in den USA kommen allerlei Leute, mit oder ohne persönlichen Bezug zu den Spielerinnen. Zu Hause besteht das Publikum lediglich aus Freunden und Verwandten.

US-Superstar und Aktivistin Megan Rapinoe, 2019 (faz.net)

Nun, die USA sind zuvorderst, Europa hinkt hinterher. Und die Aussichten sind verlockend: Die Begeisterung in Amerika für den Frauenfussball übertrifft diejenige, die in der Schweiz für Männerfussball herrscht. Mit ihrem Können und ihrer politischen Strahlkraft sind Spielerinnen wie Megan Rapinoe Stars. Und Idole. Sie lassen die nächste Generation vom 5. Titel träumen.

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