Vor drei Wochen ertönte der Anpfiff für die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer, während im Frauenfussball der Ligabetrieb normal weiterläuft. Und dennoch sind auch in Katar Frauen im Fussball – aktiv im Einsatz auf dem Platz.
Sechs Frauen mit dabei
Die diesjährige WM ist eine Premiere in mehreren Belangen: Als Advents-WM, als heiss diskutiertes Thema wegen der Rahmenbedingungen und als WM, bei der erstmals Schiedsrichterinnen aufgeboten sind. Drei der 69 Assistenten sind Frauen: Neuza Back (BRA), Karen Diaz Medina (MEX) und Kathryn Nesbitt (USA). Und von 36 Unparteiischen sind ebenfalls drei weiblich.
Die drei Schiedsrichterinnen im Überblick



| S. Frappart | S. Mukansanga | Y. Yamashita | |
| Nationalität | Frankreich | Ruanda | Japan |
| Alter | 38 Jahre | 34 Jahre | 36 Jahre |
| Schiedsrichterin seit | 2002 | 2004 | 2012 |
| Aktuell tätig in | Männer- sowie Frauenfussball, FIFA-Endrunden, Women’s Champions League | Afrika-Cup, WM der Männer / Frauen | J1 League, J2 League, WM der Männer / Frauen |
| 1. Einsatz im Männerfussball | 2002 (7.Liga Frankreich), 2014 (Ligue 2), 2019 (Ligue 1), 2019 (Internationaler Clubfussball) | 2007 (Division 1 Ruanda) | 2021 (J3 League Japan) |
| Grösste Erfolge | Frauen-WM Finale 2019, erste Unparteiische in der Ligue 1, Champions League und WM | Frauen-WM 2019, Olympiade, Männer-WM, erste Unparteiische am Afrika-Cup | Frauen-WM 2019, Olympiade, Männer-WM, erste Unparteiische in der asiatischen AFC Champions League sowie J1 League |
Ein fragwürdiger Zeitpunkt?
Inzwischen ist es nicht nur beim Aufgebot der FIFA geblieben, Frappart kam zum Einsatz und schrieb somit Geschichte. Sie leitete das Gruppenspiel zwischen Deutschland und Costa Rica souverän – die negativen Bemerkungen in den Medien am Tag danach galten nicht der Französin. Vielmehr richtete sich eine kritische Frage an die FIFA: Warum genau jetzt? Exakt an der wohl umstrittensten WM der Geschichte in einem Land, in dem Frauenrechte stark eingeschränkt sind, stehen weibliche «Referees» im Scheinwerferlicht.
«Ich hoffe, dass das Aufgebot von Elite-Schiedsrichterinnen für wichtige Männerwettbewerbe schon bald keine Sensation mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit ist.»
Pierluigi Collina, FIFA-Schiedsrichter-Chef
Entgegen dem Vorwurf, dass der Weltverband die Aufmerksamkeit lediglich als positiven Vorwand unter lauter negativen Schlagzeilen nutzt, ist klar: Schiedsrichterinnen haben in den letzten Jahren riesige Fortschritte gemacht. Ihr Einsatz an einer WM-Endrunde erscheint daher als logische Folge.
Tatsächlich sind Frauen im Profifussball der Männer keine Seltenheit mehr, wie die folgende Auflistung zeigt. Stéphanie Frappart, Bibiana Steinhaus, Kateryna Monsul und weitere Pionierinnen ebneten den Weg. Unter anderem kam 1995 die erste Linienrichterin in der Bundesliga zum Einsatz.
Bis zur Schiedsrichterinnen-Premiere dauerte es dann in einigen Ländern und auf europäischer Ebene allerdings noch über 20 Jahre:
- April 2016: Premier-Liha (UKR)
- September 2017: Bundesliga (DEU)
- April 2019: Ligue 1 (FRA)
- August 2019: UEFA Super Cup
- Dezember 2020: Champions League
- März 2021: WM-Qualifikation
- Dezember 2022: WM-Endrunde
Dabei wurde eine aktive Rolle von Frauen im Männersport früher durch die Tatsache erschwert, dass der Konditionstest für Unparteiische für Frauen zu schwierig war. Mit der Weiterentwicklung der Videoanalysen nahm die Wichtigkeit der Kondition ab, was auch Schiedsrichterinnen den Einsatz im Männerwettbewerb ermöglichte.
Schiedsrichterinnen in anderen Sportarten
Im Fussballgeschäft sind sie keine Neu- und auch in zunehmendem Mass keine Seltenheit. Doch wie sieht es in anderen Sportarten aus? Tatsächlich variiert das stark. Männerspiele im Badminton oder im deutschen Volleyball werden oft von Frauen geleitet. Derweil sind in den amerikanischen Topligen des Basketballs, Football, Eishockeys und Baseballs zwischen einer und fünf Schiedsrichterinnen tätig. Selbst in traditionsreichen Sportarten wie Rugby debütierte im Jahr 2019 die erste Frau. Und im Unihockey pfeifen längst Spielleiter beider Geschlechter an Grossanlässen, wie jüngst die WM in der Schweiz bewies.

Schliesslich sind sich viele Zuschauer des Fussballs, Yamashitas japanisches Publikum zu Hause sowie das deutsche Männernationalteam einig: Es ist einerlei, ob eine Frau oder ein Mann pfeift. Man freut sich auf das Spiel.
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